Ich bin René Prodell und lebe selbst mit einer leichten geistigen und körperlichen Behinderung. Deshalb ist Inklusion für mich nicht nur ein gesellschaftliches Thema, über das man spricht. Ich erlebe jeden Tag, wie wichtig es ist, dazugehören zu können, ernst genommen zu werden und die Möglichkeit zu bekommen, selbst mitzugestalten.
Für mich bedeutet Inklusion, dass ein Mensch nicht auf seine Behinderung reduziert wird. Ich bin nicht einfach „der Mensch mit Behinderung“. Ich bin René – mit meinen Interessen, meinen Ideen, meinen Stärken, meinen Schwächen und meinen eigenen Vorstellungen vom Leben.
Inklusion bedeutet für mich, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Chancen bekommen wie andere Menschen. Dazu gehört für mich auch, eigene Entscheidungen treffen zu können, seine Meinung sagen zu dürfen und Verantwortung zu übernehmen.
Natürlich gibt es Dinge, die mir aufgrund meiner Behinderung schwerer fallen. Manchmal brauche ich mehr Zeit, Unterstützung oder eine verständliche Erklärung. Das bedeutet aber nicht, dass ich nichts selbst machen kann. Im Gegenteil: Ich möchte möglichst viel selbst gestalten und meine Fähigkeiten einbringen.
Gerade deshalb ist es mir wichtig, dass Menschen nicht nur darauf schauen, was jemand nicht kann. Viel wichtiger ist für mich die Frage: Was kann ein Mensch? Was interessiert ihn? Welche Ideen hat er? Und welche Möglichkeiten können wir ihm geben?
Inklusion bedeutet für mich auch, Barrieren abzubauen. Dabei geht es nicht nur um körperliche Barrieren wie Treppen oder fehlende Zugänge. Es gibt auch Barrieren in den Köpfen. Vorurteile, Ausgrenzung oder die Vorstellung, Menschen mit Behinderung könnten bestimmte Dinge grundsätzlich nicht, können genauso hinderlich sein.
Ich möchte zeigen, dass Menschen mit Behinderung selbst aktiv sein können. Ich interessiere mich für Medien, Fotografie, kreative Projekte und digitale Themen. Ich möchte eigene Ideen entwickeln, Projekte aufbauen und mich gesellschaftlich einbringen.
Für mich bedeutet Inklusion deshalb nicht, dass alle Menschen gleich sein müssen. Wir sind unterschiedlich – und genau das macht unsere Gesellschaft vielfältig. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, so zu sein, wie er ist, und trotzdem selbstverständlich dazuzugehören.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung nicht ständig erklären müssen, warum sie etwas können möchten. Eine Gesellschaft, in der man ihnen etwas zutraut und ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Fähigkeiten zu zeigen.
Inklusion bedeutet für mich: dazugehören, mitmachen, mitentscheiden und mitgestalten.


